Die Colin McRae-Serie blickt bereits auf eine ziemlich lange
Erfolgsgeschichte zurück. Schon zu PSone-Zeiten begeisterte uns Codemasters mit
einer realistischen Rally-Simulation. Im Laufe der Jahre verbesserte man sich
kontinuierlich und so schreiben wir mittlerweile das Jahr 2009 und wir haben
die neueste Version vor uns zu liegen…
In der aktuellen Ausgabe hört das Spiel auf den
vollständigen Namen ‚Colin McRae DIRT II’. Den Namenszusatz führte Codemasters
im Sommer 2007 ein. Er sollte einmal mehr verdeutlichen, dass sich die Serie
weiterentwickelt hat. Denn einst boten die Colin-Spiele lediglich Rally-Events,
entweder gegen Computer-Gegner oder eben gegen die Zeit. Seit DIRT blickten die
Macher etwas weiter über den Tellerrand und spendierten dem Titel mehr
Abwechslung. Aber, der Reihe nach.
Colin McRae – Die Legende…
Unglücklicherweise verunglückte der Namensgeber im Jahr 2007
durch einen Helikopterabsturz. Doch als wäre das noch nicht tragisch genug.
Auch sein Sohn kam bei dem Unfall ums Leben. Die Welt trauerte um den
Rallyweltmeister. Viele fragten sich, ob es jemals wieder ein Colin McRae-Spiel
geben würde. Doch die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt und deshalb freuen
wir uns umso mehr, das aktuelle Spiel für Euch testen zu dürfen.
Aufgrund der eben genannten Umstände, fällt direkt beim
betrachten der Verkaufsverpackung auf, dass der Untertitel ‚DIRT II’ ziemlich
groß auf der Packung prankt. Deutlich größer als der eigentliche Titel ‚Colin
McRae’. Das könnte zum einen am Tod der Rallylegende liegen zum anderen kann es
aber auch auf die Tatsache hinweisen, dass uns im Spiel nicht nur
Standard-Rallykost erwartet.
Aller Anfang ist schwer
‚Dirt II’ beginnt so, wie alle Rennspiele. Ihr seid am
Anfang eher unbekannt und müsst nun durch erfolgreiches Fahren die Gunst der
Fans erhaschen. Zum Karrierestart wird Euch nur ein Fahrzeug zur Verfügung
gestellt. Auch sind nur wenige Events verfügbar. Doch fahrt Ihr erst einmal
einige Runden, ändert sich das schnell. Grundsätzlich bietet ‚DIRT II’ neben
den klassischen Rally-Events auch noch Rennen in London über Stadtkurse bis hin
zu Paris Dakar-ähnlichen Wüstenrennen mit Geländewagen. Nach dem Rennen landet
Ihr wieder in der Spielzentrale, einem heruntergekommenen Van. Von dort aus
wählt Ihr das nächste Event, schaut Euch Infos zu den Bestenlisten an oder
koordiniert Mehrspieler-Matches. Das erste große Lob sprechen wir für das
äußerst gelungene 3D-Menü aus. Statt Euch mühevoll durch mit Text gefüllte
Menüfenster zu klicken, ist bei ‚DIRT II’ alles wunderbar animiert und Ihr
könnt Euch quasi frei bewegen. Dies sowohl im Karavan als auch im Außenbereich.
In letzterem könnt Ihr beispielsweise auf die Spieloptionen zugreifen und
Steuerung sowie HUD konfigurieren. Ist dies getan, solltet Ihr Euch dem
Fahrzeugauswahlmenü widmen. Stimmt die Kasse, könnt Ihr nach Herzenslust neue
Boliden erwerben oder bereits vorhandene aufwerten. Dies zwar nur optisch mit
schicken Lackierungen oder gar anderen Spielereien wie ‚Gebamsel’ am Spiegel
oder Figuren auf Eurer Armatur.
Das Spiel führt Euch durch die verschiedensten Regionen
dieser Welt. So bereist Ihr zum Beispiel L.A., Baja-California, Malaysia,
China, Marokko, Japan, London und Utah. Alle Örtlichkeiten bieten zum einen
verschiedene Disziplinen, zum anderen auch unterschiedliche Anforderungen an
den Fahrer. Angefangen von der typischen Rally auf relativ flachem Land, bis
hin zu Berg-Passagen mit engen Straßen und tiefen Abgründen ist alles
vertreten.
Zwischen den Rennen erhaltet Ihr von Eurem Menor Travis
Pastrana wertvolle Tipps zu kommenden Events oder zu den Fahrzeug-Attributen.
Besitzt Ihr einen geläufigen Namen, könnt Ihr diesen vorab einstellen und
Travis wird Euch mit Eurem echten Namen ansprechen. Die Macher versuchten dem
Spiel durch das Erfahrungspunkte-System etwas die Linearität zu nehmen. So
verdient Ihr innerhalb der Rennen EP (Erfahrungspunkte). Erreicht Ihr den
ersten Platz, gibt es dafür natürlich mehr Punkte. Nach und nach werden so
immer neue Austragungsorte freigeschaltet und Ihr habt die Qual der Wahl, welches
Event Ihr als nächstes besucht. Immer mal wieder werdet Ihr auch zu direkten
Kopf-an-Kopf-Rennen eingeladen. Gewinnt Ihr auch diese, werdet Ihr bald viele
einstige ‚Spielgegner’ zu Euren Freunden zählen können.
Neben den bereits genannten Wüsten- und Rally-Events, bietet
‚DIRT II’ außerdem noch Ausscheidungs-, Dominanz- oder Torjägerrennen an. Bei
letzterem müsst Ihr versuchen möglichst viele Schaumstofftore umzufahren.
Offiziell?? Natürlich!
Wie es sich für ein Spiel dieser Art gehört, wurden selbstverständlich
alle Boliden lizenziert. Der Titel bietet Euch rund 50 Fahrzeuge, darunter
Marken wie Subaru, Pontiac, VW, Mitsubishi, Honda oder BMW. Auch ein
Schadensmodell haben die Jungs von Codemasters implementiert. Ihr könnt
einstellen, ob der Schaden nur kosmetisch sein soll oder er sich bestenfalls
auch noch auf das Fahrverhalten auswirken soll.
Aprospros Schaden: gelingt Euch mal eine Kurve nicht oder
Ihr prescht gegen eine Wand – kein Problem. In ‚DIRT II’ gibt es die, bereits
aus ‚GRID’ bekannte, Zurückspulfunktion. So könnt Ihr das Rennen bis zu 5 Mal
zurückspulen und die kritische Stelle noch einmal versuchen ohne extra das
Rennen neu zu starten.
In Sachen Handling haben die Entwickler einen gesunden
Spagat zwischen Realismus und Arcade gefunden. Die Wagen steuern sich durchaus
anspruchvoll über die Kurse, dennoch finden auch Serien-Einsteiger Zugang zum
Spiel und Frustmomente bleiben größtenteils aus. Dennoch muss man sagen, mit
zunehmender Spielzeit zieht auch spürbar der Schwierigkeitsgrad an, auch wenn
dieser vor jedem Rennen neu definiert werden kann. Die KI ist ebenfalls gut
gelungen. Bei entsprechend hohem Schwierigkeitsgrad drängen Euch Eure
Widersacher gern schon mal gegen eine Wand.
Optiiiiik
Einst setzte ‚Colin McRae DIRT’ bereits Maßstäbe in Sachen
Optik. Doch ‚DIRT II’ schafft es locker seinen Vorgänger grafisch zu toppen.
Die Fahrzeugmodelle sowie sämtliche Umgebungsgrafiken und Effekte sehen
sensationell aus. Ein besonderes Lob verdient Codemasters für die grandiosen
Wasserspritzeffekte, wenn Ihr durch Pfützen fahrt. Denn hier wird das Wasser
nicht nur realistisch vom Wagen weggedrückt, sondern versperrt Euch auch die
komplette Sicht durch die Frontscheibe. Glücklicherweise richtet der digitale
Scheibenwischer diesen Umstand wieder und schon nach wenigen Augenblicken ist
die Sicht wieder frei. Weiterhin begeistern auch die Sonnenblendeffekte. Die
Qualität dieser Spezialeffekte sah man bisher selten in einem Rennspiel.
Auch in Sachen Sound gibt man sich keinerlei Blöße. Die
PS-Monster röhren und gerade Besitzer einer Dolby Digital-Anlage werden Ihre
wahre Freude haben. (die Nachbarn im Übrigen auch!)
Multiplayer
Im Gegensatz zum Vorgänger bringt ‚DIRT II’ wieder einen
richtigen Mehrspieler-Modus mit. Konnte man im letzten Colin-Spiel lediglich
gegen die Zeit fahren, seht Ihr im aktuellen Ableger endlich wieder die
Konkurrenten auf der Strecke, statt nur in einer Rankingliste. Die Performance
während der Online-Matches war durchgehend gut.
Fazit:
Abschließend können wir nur alle Daumen hoch zeigen. ‚Colin
McRae DIRT II’ macht fast alles richtig. Der Titel bietet abwechslungsreiche
Events, welche immer wieder durch neue Herausforderungen aufgelockert werden.
Ständig müsst Ihr Euch auf andere Umstände einstellen. Weiterhin ist der Schwierigkeitsgrad
vor jedem Rennen frei wählbar, was auch Einsteigern den Zugang erleichtert. Kritisieren
können wir an ‚DIRT II’ nur eines: warum in Gottes Namen gibt es keinen Regen
und keine Schneestrecken? Schweden war doch einst immer ein fester Rally-Austragungsort.
Naja, vielleicht in ‚DIRT III’??Falko Tackmann