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Am kommenden Montag erscheint World of Goo für PC und Wii
in den USA. Wir hatten aber bereits jetzt die Gelegenheit, das Spiel von vorne
bis hinten unter die Lupe zu nehmen. Zwar hatten wir die PC-Version in unserem
Testlabor, da die gelungene Wii-Steuerung aber im Endeffekt wie eine Maus
funktioniert und die Wii-Version zusätzlich noch einen CoOp-Modus besitzt,
können auch alle, die sich eher für die Wii-Version interessieren, weiter
lesen.
Aufmerksame Leser dürften den
vielversprechenden Titel schon seit längerem kennen – kürzlich hatten wir ein Interview
mit den beiden Entwicklern und bereits im April durften wir die Preview-Fassung
anspielen. Schon damals zeichnete sich ab, dass World of Goo ein ganz heißes
Eisen im brodelnden Feuer der innovativen Titel werden könnte. Ob sich das
jetzt bestätigt hat, erfahrt ihr hier in unserem Review.
Ein Spiel mit klebrigen
Wesen...
In World of Goo besteht das
grundlegende physikbasierte Spielprinzip darin, mit den „Goo-Balls“, klebrigen,
lebendigen Bällen, möglichst stabile Konstruktionen zu bauen, um somit ein
Rohr, dass irgendwo im Level hängt, zu erreichen. Diese Strukturen und Gebilde
baut man im Endeffekt per Drag’n’Drop. Die Goo-Balls halten sich im Normalfall
auf der bisherigen Struktur auf, will man nun beispielsweise weiter nach oben
bauen, packt man sich einen Goo-Ball und platziert ihn oberhalb und in
Reichweite des ursprünglichen Gebildes. Lässt man nun die Maustaste los, geht
der Goo-Ball Verbindungen mit allen in Reichweite befindlichen, bereits
verbauten, Goo-Bällen ein.
Allerdings sollte man dabei nicht
gerade verschwenderisch mit den Goo-Balls umgehen, denn das Rohr saugt die
überschüssigen Bälle ab, wobei zu beachten ist, dass es in jedem Level eine
minimale Anzahl an übrigen Goo-Balls gibt. Das heißt, man hat ein Level erst
geschafft, wenn man genügend Goo-Balls in die Röhre transferiert hat.
„Dank dem einfachen, aber genialen Spielprinzip
verzichten die Entwickler glücklicherweise auch gänzlich auf ein staubtrockenes
Tutorial.“
Damit dieses Grundprinzip nicht
langweilig wird, haben die beiden Jungs von 2D Boy sich reichlich Mühe gegeben.
So gibt es im Spiel verschiedenste Arten von Goo Balls. Hier mal ein Auszug:
Schwarze Goo-Balls lassen sich nur einmal verwenden, grüne Goo-Balls lassen
sich hingegen wiederverwerten, rote Goo-Balls gehen bei Feuerkontakt schnell in
Flammen auf, weiße Goo-Balls sind feuerresistent, Totenkopf-Goo-Balls sind
unempfindlich gegenüber fiesen Zacken und Sägeblättern, die dem Spieler das
Leben schwer machen, Luftballons ziehen Gebilde mit in die Höhe oder
stabilisieren sie, Kletten-Goo-Balls heften eure Struktur fest an andere, sich
bewegende Objekte im Level.
Dabei hat man als Spieler aber
überhaupt nie das Gefühl, dass man vor lauter Goo-Ball Arten überfordert wird.
Stattdessen haben die Entwickler darauf geachtet, nach und nach die
verschiedenen Goo-Ball Typen zu präsentieren – und in den Levels kommen auch
nie alle Arten auf einmal vor, sondern immer nur eine bestimmte,
zusammenpassende, kleinere Auswahl, um zwar die größtmögliche Abwechslung zu
gewährleisten, aber ohne ein heilloses Durcheinander zu verursachen.
Dank dem einfachen, aber genialen
Spielprinzip verzichten die Entwickler glücklicherweise auch gänzlich auf ein
staubtrockenes Tutorial. Stattdessen fängt man gleich im ersten Level mit
seinem ersten Gebilde an. Als erste Anleitung genügt ein Schild, auf dem darauf
hingewiesen wird, dass man per Drag’n’Drop die kleinen glibberigen Wesen
verbauen kann. Klar steigert sich die Schwierigkeit nach und nach, dennoch
vermittelt auch das erste Kapitel, welches man im Nachhinein als
„Einführungskapitel“ sehen kann, bereits massenweise Spaß.
Diese durchdachte Heranführung
des Spielers an die Welt der Goo-Balls zieht sich durch das komplette Spiel und
verleiht dem Spielprinzip die gewisse Perfektion. Es ist wahrhaftig fühlbar, mit
welcher Liebe zum Detail und mit welchem Ehrgeiz die Entwickler am Gameplay
gefeilt haben.
Das Besondere an World of Goo ist
hierbei, dass wohl so ziemlicher jeder PC-Nutzer das Spielprinzip versteht und
auch mit der Steuerung umgehen kann, der Schwierigkeitsgrad aber deshalb
keinesfalls einfach wäre. Im Gegenteil, während am Anfang vor allem Geschick
gefragt ist und die Methodik beim Bau eher eine hintergründige Rolle spielt,
mischt sich im Verlauf des Spiels mehr und mehr eine taktische Komponente hinzu.
In den späteren Levels kommt es öfter vor, dass man sich überhaupt erst mal
überlegen muss, wie man das Level beendet, bevor man mit der Realisierung
seines ausgetüftelten Plans beginnt.
„Es ist wahrhaftig fühlbar, mit welcher Liebe zum Detail
und mit welchem Ehrgeiz die Entwickler am Gameplay gefeilt haben.“
Und selbst wenn man an der
Realisierung seines Plans scheitern sollte oder sich der eigene Plan gar als
nicht umsetzungsfähig herausstellt, kommt niemals Frust auf. Jedes Mal ertappt
man sich dabei, wie man auf „Retry“ klickt und einem der typische Satz von
Spielen mit Suchtfaktor unzählige Male hintereinander über die Lippen huscht:
„Nur noch ein Versuch!“. Nachdem dann aus einem Versuch zehn geworden sind und
man das Level hinter sich gebracht hat und man die entsprechende Freude über
die bewältigte Herausforderung spürt, kommt einem wieder und wieder, obwohl man
eigentlich nur mal kurz fünf Minuten spielen wollte, folgender Satz in den
Sinn: „Nur noch das nächste Level!“.
Dies liegt nicht zuletzt daran,
dass man nie das Gefühl hat, routiniert irgendwelche langweiligen Tätigkeiten
erfüllen zu müssen. Stattdessen überrascht einen das Spiel ständig mit neuen
Gameplay-Variationen, hinzukommenden Spielelementen und ausgewieftem
Leveldesign.
Ein weiterer Grund dafür sind
aber der extrem geniale Soundtrack und die liebevoll gezeichneten
Levelhintergründe und Grafiken. Sowohl beim Sound als auch beim Setting wird
einem eine Vielfalt geboten, die es in einem derartigen Spiel bisher noch nicht
gab. Es kommt sogar vor, dass man ein bestimmtes Level nur wegen dem Soundtrack
und dem Look immer und immer wieder spielt. Es passiert also oft, dass man auch
nach dem Durchspielen ziemlich oft auf die Verknüpfung zu World of Goo klickt,
nur um noch mal in die Welt der Goo-Balls abzutauchen.
Wem das noch nicht genug ist, für
den haben die Enwickler noch einen Spielmodus integriert, der besonders für die
Highscorejäger unter den Vielspielern gedacht ist. Denn der Überschuss, den man
in jedem Level erreicht hat, wird gesammelt. Unter dem Menüpunkt (des übrigens
sehr schön gestalteten Menüs) „World of Goo Corporation“ kann man dann mit
diesen Goo-Balls den „Tower of Goo“, einen möglichst hohen Turm bauen. Dabei
werden im Hintergrund in Form von Wölkchen Highscores von Spielern, die sich
auf der ungefähr gleichen Höhe wie man selbst befinden, angezeigt. Bei einigen
Wolken sieht man sogar, wie sie weiter und weiter in die Höhe steigen. So kann
man sich quasi beim Bau seines eigenen Turmes ein Wettrennen mit anderen Spielern
rund um die Welt liefern.
Wer irgendwann das Gefühl hat,
mit seiner Anzahl an Goo-Balls das Maximum an Höhe ausgeschöpft zu haben, der
kann in dem ein oder anderen Level versuchen, möglichst viele überschüssige
Goo-Balls in das Rohrsystem zu transferieren, um dann für den Tower of Goo mehr
zur Verfügung zu haben.
Auf Wunsch werden im Übrigen auch
die einzelnen Level-Highscores automatisch übermittelt und in einem
Ranking-System gelistet.
Wem das alles aber noch immer
nicht genug Abwechslung bietet, dem sei gesagt, dass sich in Kapitel vier so
einiges ändert, weshalb wir auf dieses Kapitel auch nicht näher eingehen ;)
Im Übrigen bietet World of Goo
auch eine Story. Denn als Spieler fragt man sich schnell, wo denn die ganzen
Rohre hinführen. Es stellt sich heraus, dass diese zur „World of Goo“
Corporation führen, welche es dann zu zerstören gilt. Allerdings wäre das Spiel
nicht World of Goo, wenn sich die Entwickler nicht eine geniale und
gleichzeitig erfrischend witzige Methode zum Zerstören der bösen Corporation
überlegt hätten. Überhaupt zieht sich durch das ganze Spiel ein gewisser
Spielwitz, in so ziemlich jedem Textabschnitt findet sich eine Anspielung oder
eine durchaus belustigende Formulierung.
Unbedingt zu nennen ist auch der
„Sign Painter“, also der Schilder-Maler, der überall in den Levels Schilder
platziert hat, in denen er sich an den Spieler wendet. In oft witzigen und auf
den ersten Blick allerdings unnützen Botschaften hat der Sign Painter wertvolle
Hinweise zum Lösen der Levels verpackt.
Selbiger Sign Painter begleitet
euch von Anfang bis zum Ende des Spiels als eine Art Weggefährte – auch wenn er
nur durch seine Schilder mit euch in Kontakt tritt, entwickelt er sich zu einem
der Details, die World of Goo so einzigartig und genial machen.
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