Die Silent Hill-Serie sorgte schon so ziemlich bei jedem Horror-Fan für
Gänsehaut. Nachdem sehr guten ersten Teil, lieferte Konami promt zwei
Jahre später das Sequel mit einer völlig neuen Geschichte. Schauplatz
war jedoch wieder das namens gebende Örtchen Silent Hill. Teil 3
beantwortete Story-technisch die offen gebliebenen Fragen des ersten
Teils. Mit dem nun mehr vierten Teil geht Konami gänzlich neue Wege…
Spiel / Gameplay: Herzstück von Silent Hill 4 The Room ist die
Wohnung von Henry Townshend. Nach einem kurzen, sehr beklemmenden
Eröffnungs-Szenario, indem sich Henry zwar auch in seinen eigenen vier
Wänden befindet, diese aber absolut herunter gekommen aussehen,
erwartet Euch direkt der erste Schreck. Man kann sich die Umgebungen so
schmuddelig wie die Parallelwelt aus dem dritten Teil vorstellen. Zu
seinem Pech, besitzt seine Wohnung weder eine Tür noch funktionierende
Fenster. Er ist eingesperrt. Ängstlich erkunden wir die Zimmer und
entdecken mehr oder weniger normale Dinge an den Wänden. Als ich mich
in Richtung Abstellkammer umdrehe, beginnt eine Zwischensequenz.
Plötzlich springt der Putz an den Wänden und ein ekelhaftes Monster
klettert aus der Wand. Man kann diese Cut-Szene kaum in Worte fassen.
Ihr werdet es erleben, dass Ihr mit offenem Mund vor dem Fernseher
sitzt und Euch zudem ein eiskalter Schauer den Rücken runter läuft.
Nach weiteren Sekunden kommt Ihr abermals in eurer Wohnung zu euch.
Dies mal ist aber alles ganz gewöhnlich, nichts ist mehr von der
vorherigen Schmuddel-Optik übrig geblieben. Vorsichtig taste ich mich
vor, schaue mich in Henrys Schlafzimmer um, entdecke neben dem
Schreibtisch ein Telefon auf dem Nachttisch. Ich greife zum Hörer –
nichts. Als nächstes beschließe ich ins Wohnzimmer zu gehen, um nach
dem rechten zu sehen. In diesem Moment klingelt plötzlich das Telefon –
eben ging es doch noch nicht. Schnell greift Henry in der darauf
folgenden Sequenz zum Hörer und sagt leise ‚Hallo’. Eine Stimme
antwortet Ihm: ‚Helfen…Sie mir’. Noch bevor er den Telefonapparat
richtig in der Hand hat, stellt er fest, dass jemand das Telefonkabel
durchgeschnitten hat – aber wie kann dann jemand am Telefon sein?
Spätestens jetzt ist auch dem letzten von Euch klar, dass hier
irgendetwas überhaupt nicht stimmt. Silent Hill 4 The Room setzt die
beklemmende Stimmung im aktuellen Ableger konsequent fort. Nachdem man
sich etwas vom ersten Schock erholt hat, stellt man fest, dass der Weg
nach draußen von einem Dutzend Ketten versperrt ist. Einen Blick ins
Freie kann man lediglich durch das Fenster, den Spion oder ein Loch in
der Wand zur Nachbarin erhaschen. Der Fernseher hat keinen Empfang und
auch das Radio spielt nicht wirklich unterhaltsame Musik. Ganz im
Gegenteil. Im weiteren Verlauf des Spiels, könnt Ihr hier ziemlich
unangenehme News hören. Außerdem findet Ihr im Spiel eine Kassette,
welche mit dem Gerät abgespielt werden kann.
Der scheinbar einzige Ausweg aus dieser Misere ist wohl das Loch in der
Badezimmerwand. Dieses funktioniert wie eine Art Dimensionstor und
führt Euch in die verschiedenen Welten von Silent Hill 4 The Room. Die
Levels des Spiels sind allerdings alles andere als normal. Egal ob Ihr
durch eine gruselige U-Bahn Station streift oder im schmuddelig
anmutenden Krankenhaus nach Antworten sucht, die Spielabschnitte sind
hervorragend in Szene gesetzt. Während Eures Abenteuers stoßt Ihr auf
weitere Dimensionstore, welche Euch wieder ins sichere zu Hause
befördern. Dieses sollte auch des Öfteren aufgesucht werden. Denn nur
hier ist es möglich in Silent Hill 4 The Room zu speichern. Außerdem
könnt Ihr in Henrys Apartment ganz in Resident Evil-Manier per Kiste
euer Inventar verwalten und nicht benötigte Gegenstände zurücklassen.
Das ist zwar zeitweise ziemlich nervig, wenn dann plötzlich das
Inventar voll ist und Ihr aber gerade den alles entscheidenden
Gegenstand findet. So müsst Ihr nämlich erst zurück in Henrys Wohnung
um Platz zu schaffen.
Die Entwickler haben es außerdem verstanden das Apartment in die
Handlung mit einzubeziehen. Denn der Wohnraum ändert sich ständig. Mal
beginnt der Trockner Blut zu spucken oder Ihr findet seltsame
Botschaften unter der Wohnungstür, welche immer neue Fragen aufwerfen
oder eben diese beantworten. Es gibt beispielsweise ein Rätsel, das Ihr
nur lösen könnt, wenn Ihr in einem Level zahlreiche Hinweise unter
Henrys Tür schiebt. Die Zettelchen könnt Ihr dann in aller Ruhe bei ihm
zu Hause lesen und auswerten.
“In Sachen Atmosphäre ist Silent Hill immer noch ungeschlagen. Und
auch der vierte Ableger der erfolgreichen Horror-Serie gibt sich in
diesem Punkt keine Blöße.“
In Sachen Atmosphäre ist Silent Hill immer noch ungeschlagen. Und auch
der vierte Ableger der erfolgreichen Horror-Serie gibt sich in diesem
Punkt keine Blöße. Die Monster sind zwar im neuesten Teil weniger krank
designt worden, überzeugen aber durch Ihr plötzliches und
schockierendes Auftreten. Euch wird des Öfteren sicher fast das Herz
stehen bleiben, wenn ein Zombie auf einmal sehr merkwürdige Geräusche
von sich gibt und es vorher totenstill war. Auch die scheinbar
lebendigen Rollstühle und die zweiköpfigen Dämonen sorgen für
Gänsehaut-Feeling. Ärgerlich sind hingegen die Zombies. Denn wer denkt,
dass man diese Biester einfach so erledigen kann, hat sich geschnitten.
Denn die Untoten sind in der Tat nicht tot zu kriegen. Immer wieder
rappeln sie sich hoch und trachten Euch nach dem virtuellen
Bildschirmleben. Das nervt auf Dauer ziemlich.
Ihr seid den Monstern selbstverständlich nicht schutzlos ausgeliefert.
Die Entwickler bauten verschiedene Schlaginstrumente, wie Eisenstangen,
Golfschläger oder eine Pistole ins Spiel ein. Neu in Teil 4 ist die
aufladbare Schlaganzeige. Ihr könnt entweder mehrere kleine Schläge
ausführen oder einen besonders kräftigen.
Rund zwei Drittel des Spiels seid Ihr allerdings nicht mit kämpfen,
sondern mit den teils recht anspruchsvollen Rätseln beschäftigt. Ihr
sammelt auf Euren Streifzügen Gegenstände, Zahlenkombinationen und
viele, sehr viele Hinweis-Zettelchen, welche im Tagebuch gespeichert
werden. Schon auf dem einfachsten Schwierigkeitsgrad wird der Grips
ordentlich gefordert. Die Rätseleinlagen sind zwar alle logisch
aufgebaut, zwingen den Spieler jedoch an manchen Stellen etwas um die
Ecke zu denken.
Grafik / Sound: Grafisch spielt Silent Hill 4 The Room ganz klar
in der Spitzenliga mit. So Messer-scharfe Texturen und grandios
designte Charaktermodelle gab es bisher fast nur in den Silent
Hill-Spielen. Der Detailsreichtum der verschiedenen Figuren ist schon
beihnahe Angst einflössend. Die Charaktere machen einen glaubwürdigen
Eindruck und selbst Mimiken und Gestiken sind klar zu erkennen. Die
Umgebungsgrafik sieht ebenfalls fantastisch aus. Angefangen bei Henrys
Wohnung, welche ständig irgendwie schmuddelig ausschaut, bis hin zu den
Außenlevels mit den dunklen Waldabschnitten und beklemmenden
Wohnvierteln. Die Entwickler haben einfach alles richtig gemacht. Das
einzige was man dem Hauptcharakter vorwerfen könnte, ist eine gewisse
Emotionslosigkeit. Denn wenn eine Person im Spiel stirbt, sieht man ihm
seine Trauer beziehungsweise den Schock nicht wirklich an. Wir erinnern
uns zurück an Silent Hill 2 zurück. Als Mary starb war James richtig
verzweifelt und wusste nicht, wie sein Leben weiter gehen sollte. Das
vermisst man beim vierten Teil etwas.
In Sachen Sound gibt es eigentlich bis auf eine Sache nichts
zu bemängeln. Fangen wir gleich mit der Kritik an: Warum ist das Spiel
Gott verdammt nur in Stereo und nicht wie bei anderen Spielen üblich in
Dolby Pro Logic II kodiert? Das hätte dem ganzen Szenario letztendlich
noch die Krone aufgesetzt. Ich meine, nicht das der Ton schlecht
abgemischt wäre, man kann schon deuten ob etwas direkt neben einem
passiert oder eben ein Geräusch aus weiterer Entfernung zu vernehmen
ist, jedoch wäre in einer eventuellen Fortsetzung eine Dolby Pro Logic
II beziehungsweise Dolby Digital 5.1-Abmischung wünschenswert. Die
Sprecher haben ihren Job sehr gut gemacht. Man hat die Sprachausgabe
komplett im englischen gelassen und lediglich mit deutschen Untertiteln
versehen. Innerhalb der Spielabschnitte sparte man sich ein immer
wiederkehrendes Musik-Gedudel, sondern setze auf plötzlich einsetzende
Musik oder beängstigende Geräusche.
Fazit: Silent Hill 4 The Room ist nach wie vor die Mutter aller
Horror-Spiele, glänzt aber im neuesten Ableger nicht mit großartigen
Innovationen. Vielmehr hat man sich bei Konami eine spannende Story
ausgedacht und diese in ein etwas altbackenes Gameplay gepackt.
Trotzdem: Die Umgebungen sind schaurig schön und auch der Umfang von
15-20 Stunden kann sich sehen lassen. Für einen eventuellen Nachfolger
würden wir uns aber zumindest mehr Neuerungen sowie ein digitales
Tonformat wünschen.
Game-Facts:
Pro (+)
- grandiose Inszenierung
- Bombast-Optik
- wendungsreiche Story
- beklemmende Atmosphäre
Kontra (-)
- wenig Neuerungen
- nichts für Herzkranke
- lediglich Stereo-Sound
Screenshots zu Silent Hill 4 The Room:
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Wertung PS2-Version:
Genre: Action-Adventure
Publisher: Konami
Umfang: 20h+
Grafik: 92%
Sound: 85%
Spielspaß: 88%
Multiplayer: -
Extras: keine
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